Bewerbungsnotizen für den Wiedereinstieg

Von Mustafa Tarabya, Gründer von CVBooster. Praktische Notizen zu Lebenslauf und Bewerbung von jemandem, der selbst Stellen ausgeschrieben und Bewerbungen gelesen hat.

Elternzeit im Lebenslauf: offen angeben, kurz erklären, selbstbewusst weitermachen

Viele Menschen, die nach einer Elternzeit wieder in den Beruf einsteigen, sitzen vor demselben Problem. Im Lebenslauf klafft ein Zeitraum von einigen Monaten oder auch mehreren Jahren, und die Frage drängt sich auf: Schreibe ich das hin, verstecke ich es, oder erfinde ich irgendetwas, das nach Arbeit klingt?

Ich habe über Jahre ein Dienstleistungsunternehmen mit sieben Mitarbeitenden geführt. Stellenanzeigen habe ich selbst geschrieben, und jede Bewerbung habe ich selbst gelesen. Aus dieser Sicht kann ich eines sagen: Eine sauber angegebene Elternzeit hat mich nie gestört. Gestört haben mich unklare Daten, bei denen ich raten musste, was in einem Zeitraum passiert ist. Dieser Text zeigt, wie du die Elternzeit so angibst, dass niemand raten muss.

Warum Verstecken die schlechtere Wahl ist

Der Reflex, eine Lücke zu kaschieren, ist verständlich. Man schreibt nur Jahreszahlen statt Monate, damit die Pause kleiner wirkt, oder man streckt das Enddatum der letzten Stelle ein wenig. Beides fällt auf. Wer Lebensläufe regelmäßig liest, erkennt Jahreszahlen ohne Monate sofort als Hinweis, dass etwas verdeckt werden soll. Und ein gestrecktes Enddatum lässt sich spätestens mit dem Arbeitszeugnis überprüfen.

Dazu kommt ein rechtlicher Punkt. In Deutschland darf ein Arbeitgeber nicht wegen Elternzeit oder Familienplanung benachteiligen. Du musst dich also nicht dafür rechtfertigen. Du solltest den Zeitraum nur so beschriften, dass er nachvollziehbar ist. Mehr nicht.

So sieht der Eintrag konkret aus

Die Elternzeit bekommt im tabellarischen Lebenslauf eine eigene Zeile, genau wie eine Stelle. Ein Beispiel:

03/2023 bis 08/2025 Elternzeit Betreuung meiner zwei Kinder, parallel Online-Kurs Buchhaltung mit DATEV (Zertifikat)

Das ist alles. Monat und Jahr, eine klare Bezeichnung, und falls es etwas Relevantes gab, eine kurze zweite Zeile. Ob du "Elternzeit", "Familienzeit" oder "Familienphase" schreibst, ist Geschmackssache. "Elternzeit" ist der genaueste Begriff, wenn es sich um die gesetzliche Elternzeit handelte. War es eine längere Phase außerhalb eines Arbeitsverhältnisses, passt "Familienphase" oft besser.

Was nicht hineingehört: Details zur Geburt, zur Gesundheit, zu den Gründen für die Länge der Pause oder zu deiner Partnerschaft. Das geht niemanden etwas an, und es lenkt vom Wesentlichen ab.

Wenn du unsicher bist, wie die Zeile im Gesamtbild deines Lebenslaufs wirkt, findest du ausführliche Formulierungsbeispiele in diesem Leitfaden zu Elternzeit im Lebenslauf, inklusive Varianten für mehrere Kinder und Teilzeit.

Was du in der zweiten Zeile nennen kannst

Viele Menschen unterschätzen, was sie in einer Elternzeit tatsächlich gemacht haben, das für einen Arbeitgeber zählt. Es geht hier nicht darum, Windeln wechseln als Projektmanagement zu verkaufen. Das wirkt bemüht. Es geht um Dinge, die du nebenbei gelernt oder getan hast und die zur angestrebten Stelle passen:

Wähle ein oder zwei Punkte, nicht fünf. Die zweite Zeile ist ein Hinweis, keine Verteidigungsschrift.

Die Elternzeit im Anschreiben

Im Anschreiben brauchst du die Elternzeit nicht zu thematisieren, wenn der Lebenslauf sie schon klar zeigt. Wenn der Wiedereinstieg aber der eigentliche Anlass deiner Bewerbung ist, kann ein einziger Satz helfen, die Richtung vorzugeben. Etwa so:

"Nach meiner Elternzeit möchte ich meine Erfahrung in der Lohnbuchhaltung wieder in Vollzeit einbringen und habe mein Wissen dafür mit einem DATEV-Kurs aktualisiert."

Der Satz erklärt nichts und entschuldigt nichts. Er sagt, wohin es geht, und nennt einen Beleg, dass du vorbereitet bist. Danach geht das Anschreiben weiter mit dem, worum es eigentlich geht: was du für diese Stelle mitbringst.

Im Vorstellungsgespräch

Die Frage nach der Pause kann kommen, meist ganz harmlos, etwa "Wie war der Wiedereinstieg bisher?" oder "Was haben Sie in der Zeit gemacht?". Bereite eine Antwort von zwei, drei Sätzen vor:

  1. Was der Zeitraum war, sachlich benannt.
  2. Was du in der Zeit für deinen Beruf getan hast, falls etwas passt.
  3. Warum du jetzt bereit bist und warum diese Stelle.

Fragen nach der weiteren Familienplanung oder nach der Kinderbetreuung sind im Bewerbungsgespräch grundsätzlich unzulässig. Du darfst ausweichend antworten. Ein freundliches "Die Betreuung ist organisiert, ich kann die Arbeitszeiten aus der Anzeige gut einhalten" reicht völlig. Für die übrige Vorbereitung, von typischen Fragen bis zu eigenen Rückfragen an das Unternehmen, hilft eine strukturierte Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch.

Sonderfälle

Elternzeit während einer laufenden Stelle. Wenn du in Elternzeit warst, aber beim selben Arbeitgeber angestellt bliebst, kannst du die Stelle durchgehend angeben und die Elternzeit als Unterpunkt nennen: "davon 04/2022 bis 03/2023 Elternzeit". So sieht man, dass das Arbeitsverhältnis nicht unterbrochen war.

Mehrere Elternzeiten hintereinander. Fasse sie zusammen, wenn sie nahtlos ineinander übergingen. Eine Zeile "Familienphase, 01/2019 bis 06/2024" ist übersichtlicher als drei einzelne Einträge.

Elternzeit für Väter. Gilt alles genauso. Gerade Väter lassen kurze Elternzeiten oft weg, weil sie "ja nur zwei Monate" waren. Wenn die Zeit eine sichtbare Lücke zwischen zwei Stellen erzeugt, gehört sie hinein.

Teilzeit nach der Elternzeit. Wenn du nach der Elternzeit in Teilzeit zurückgekehrt bist, schreib das bei der Stelle dazu, zum Beispiel "Teilzeit, 25 Stunden pro Woche". Das ist ehrlich und erklärt, warum du in diesem Zeitraum vielleicht weniger Projekte vorweisen kannst.

Eine kurze Checkliste vor dem Absenden

Eine Elternzeit ist kein Makel, den man wegerklären muss. Sie ist ein Abschnitt deines Lebens, den du klar beschriftest, damit die Person auf der anderen Seite des Tisches sich auf das konzentrieren kann, was sie wirklich wissen will: ob du die Aufgabe gut machen wirst.